Scholastischer Disput, was ist das?

Der Scholastische Disput ist eine spezielle Form des Streitgesprächs, bei welchem die Meinungsgegner konträre Standpunkte vertreten.
Der Ablauf des Scholastischen Disputs zwingt die Kontrahenten, einander zuzuhören und zu verstehen.
  • Disputatio = Redestreit (gut situiert)
  • disputieren = erörtern, sich auseinandersetzen, d.h.
    - eigenen Standpunkt äußern und begründen
    - gegnerischen Standpunkt anhören und verstehen, am besten besser als er selber
Das Besondere am Scholastischen Disput ist Der Geist der Disputatio:
o Ziel ist nicht Recht zu haben, sondern die gemeinsame Wahrheit aufzuspüren
o Meinungsgegner hilft einem bei der Wahrheitsfindung, deshalb erfährt er vom Gesprächspartner Achtung

 
Und was bringt die Übung?

Die Übung fördert
  • Analytisches Zuhören
    – d.h. Nicht schon während des Zuhörens eigene Antwort vorbereiten
  • Denkdisziplin & Konzentration
    – Konzentration auf Worte des DU
    – Eigene Gedanken los lassen
  • Geduld und Gelassenheit
    – Partner ausreden lassen



Die Übung

Ablauf der Übung

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Aufgabe:
Teilnehmer <A> stellt zu einem Thema die Pro-Position dar, Teilnehmer <B> die Contra-Position.
Beide Gesprächspartner untermauern ihren Standpunkt mit drei Argumenten.

Ablauf:
(1)  <A> beginnt mit der Einführung, nennt das Thema und stellt seine Position dar und begründet mit dem ersten Argument
(2)  Meinungsgegner <B> wiederholt die Position des Gegenübers und dessen Argument mit eigenen Worten.
(3)  <A> entscheidet, ob <B> das Argument in derselben Weise versteht wie er selber.
(4)  Bei Übereinstimmung bringt <B> die Gegenposition und stützt sie mit einem Argument und <A> wiederholt.
(4a) Wenn <A> nicht zustimmt, versucht es <A> nochmal mit seinem Argument, evtl etwas präziser, sodass <B> es genauso versteht, wie er selber.
Das geht solange, bis <A> und <B> übereinstimmern.

So verfährt man mit allen drei Argumenten.

Geschichte der Disputatio

  • Gepflegtes Streitgespräch schon bei
    – Sokrates (469-399 v. Chr.)
    – Platon  (427-347 v. Chr.)
    – Aristoteles (384-322 v. Chr.)
  • Thomas von Aquin (1224-1274)
    – begündet den „Geist der Disputatio“, das heißt:
       Die Gesprächspartner haben beide Interesse an der Wahrheitsfindung.
       Meinungsgegner hilft dabei , deshalb wird der Gegner geachtet und nicht bekämpft